Samstag, 14. November 2015

Warum muß Einkaufen so stressig sein?

Ich hab ja garnix gegen Supermärkte, im Gegenteil.
Mir fehlen sie nicht unbedingt, die kleinen Greißler, wo man ewig anstehen mußte bis die Damen mal ausgeratscht hatten und man selbst an der Reihe war, ausgefratschelt zu werden.
Geheuchelte Anteilnahme, kaum verhohlene Neugier, und kaum ist man draußen wird eifrig alles durchgehechelt was man von sich gegeben hat.
Hachja, nein, also das muß man nicht unbedingt mehr haben.

Es ist auch durchaus kein Fehler, wenn das Warenangebot ein bissl größer ist als Fleisch, Wurst, Käse, Joghurt, Eier, Zucker, Mehl und ein paar Konserven.

Aber WHY OH WHY muß man dann an der Kassa so eine Hektik betreiben?

Da wird der Kunde einerseits mit ausgeklügelten Systemen so lange im Laden gehalten wie nur möglich, man führt ihn an der Nase herum im Zickzack durch den gesamten Laden, räumt immer wieder um damit er nur ja nicht von A nach B und dann schnurstracks zur Kassa marschieren kann weil er eh weiß was er will und wo er es findet, es wird einschmeichelnde Musik (oder was man dafür hält) gespielt damit er sich nur ja wohl fühlt und ein bissl rumstöbert ... aber kaum hat er bezahlt ist er nur noch ein Störenfried und hat sofort das Feld zu räumen, der nächste Kunde drängt nach, dessen Waren vermischen sich bereits mit dem soeben Erstandenen, da hat man das Geldbörserl noch nicht einmal verräumt.

Kinder, so geht das nicht.
Ich hab nun einmal keine vier Hände und ich werd mir auch keine zusätzlichen Greifer wachsen lassen nur damit es euch schnell genug geht.

Es GIBT ja Mittel und Wege, diesen Streß an der Kassa zu vermeiden, warum geht man sie nicht?

Eine Zeitlang sah ich in dem einen oder anderen Supermarkt junge Aushilfen, die sich etwas dazuverdienten indem sie die Einkäufe einpackten während der Kunde zahlte. Nette Idee, nur handelte es sich hierbei meist um Kinder die keine Ahnung hatten und man fand dann zuhause bald einmal die Eier unter den Erdäpfeln, um es etwas überspitzt auszudrücken.
Also, ich pack schon gerne selber ein.

Wenn man einen Wagen mitführt, dann kann man die Waren sehr rasch wieder in selbigen zurückbefördern, und nach dem Zahlvorgang zieht man sich in einen Winkel zurück (soweit vorhanden) und packt in Ruhe ein, das kann man machen.
Aber wer nimmt einen Wagen wenn er nur mal grad einen Beutel Trauben und einen Beutel Mandarinen erstehen möchte?
Also ich nicht.
Grad vorhin genauso passiert:
Ich gehe mit den beiden Beuteln Obst an die Kassa, zahle, und noch während ich das Rückgeld in den Geldbeutel zurückstecke, drängt mich der Wagen meiner Nachfolger zur Seite und deren Waren ergießen sich über meine Einkäufe.
Ja sorry daß es mich gibt!!!

Warum zum Teufel stellen sich die Supermärkte nicht wenigstens so Kassen auf wie bei einem bekannten Drogeriemarkt? Mit diesem divider? Da kann dann wenigstens einer seine Sachen noch wegpacken während man bereits den nächsten abkassiert. Es GEHT doch, also warum macht man es nicht??????????????????????


Gueules cassées

Neulich hab ich in 'Nous Deux' gelesen, daß man in Frankreichs Supermärkten kleine krumme Gurken, verformte Äpfel, zu kleine Möhren, verbogene Birnen - kurz, all das Obst und Gemüse, das bisher bereits vorab aussortiert und weggeworfen wurde weil man es schlecht verpacken konnte und 'es dann eh keiner kauft', nun billiger im Supermarkt kaufen kann.

Diese kleinen, krummen Öbste und Gemüse nennen sie pikanterweise 'Gueules cassées', ein Term der damals für die Überlebenden des ersten Weltkriegs geprägt wurde, die tatsächlich mit 'eingeschlagener Fresse' herumhinken mußten. Woran natürlich wir bösen Deutschen wieder schuld waren aber das nur am Rande.

Die modernen 'gueules cassées' werden mit einem kleinen grünen Aufkleber gekennzeichnet der einen Apfel mit zahnlosem Grinsen zeigt (einen Zahn hat er noch), ganz wie die tapferen Veteranen damals, und sie kosten dann mindestens 30% weniger als das 'schöne' Obst.

Och! hab ich mir gedacht.
Wenn wir doch auch sowas hätten in Deutschland!

Also hab ich mich informiert und lese nun, daß es bei uns auch Initiativen in diese Richtung gibt, aber mit billiger geht hierzulande natürlich garnix:

Es gibt zum einen die 'Gemüseretterbox', da bekommt man in selbstgewählten Intervallen (wöchentlich, zweiwöchentlich, whatever) freitags zwischen 9 und 12 Uhr ein Kisterl mit 5 kg Gemüse um 20 Euro angeliefert. Nette Idee, aber wer ist um die Zeit schon zuhause und vor allem: Wo ist der Anreiz? Deppert zahlen kann ich mich im Laden auch, da muß ich nicht den halben Tag daheim hocken und warten bis die Leut amal hergehn mit ihren teuren Kastln.

Weiters hab ich eine Seite entdecken können auf der eine Gruppe von Studenten groß und breit darlegt, wie sie mit Hilfe einer Agentur, die auch gleich auf ihre Seite verlinkt, ein schönes Projekt gestartet haben, das bei den Leuten die Sensibilität in Richtung: Warum werfen wir Obst und Gemüse weg nur weil es nicht genormt ist, hm??? lenken soll.
Aber es gibt, wenn überhaupt, einen Laden dazu nur in Berlin, also man bekommt keinerlei Info, wo man denn die armen Außenseiter nun eigentlich erstehen könnte.
Auch wieder nix.

In Österreich kann man seit ca. 2 Jahren bei Billa und Merkur 'Wunderlinge' kaufen, das sind unsere 'gueules cassées' die dort neben dem 'normalen' Obst und Gemüse angeboten werden, nur eben billiger. Genau wie in Frankreich. Geht also!

In Deutschland hat wohl die eine oder andere große Supermarktkette Versuche in diese Richtung gestartet, aber irgendwie geht das Ganze so zögerlich, wenn überhaupt, voran, daß ich bisher noch nichts davon mitbekommen habe. Begründung: Naja, das 'kaputte' Zeuch wird ja eh schon vermarktet, das kommt halt dann zergatscht in die Dose oder wird als Tiefkühlware zerschnippelt.
Aha.

Man darf also weiterhin gespannt bleiben.



Sonntag, 25. Oktober 2015

Warum es garnix nutzt wenn die Literatur die Zeit widerspiegelt ...

... wenn hinterher keiner mehr versteht, worum es eigentlich geht.

Und ich red jetzt nicht einmal von düsteren Gedichten des Mittelalters mit vielen komischen Zeichen und noch komischeren Worten, sondern von einem völlig normalen Roman der zu Beginn der 70-er Jahre in einer deutschen Kleinstadt spielt.

Habe vorige Woche 'Maiglöckchen oder ähnlich' von Willi Heinrich gelesen und mir dabei gedacht, es ist ja kein Wunder wenn die jungen Leute keinen Bock mehr auf Literatur haben, wenn sie überhaupt nicht mehr nachvollziehen können, was eigentlich das Problem ist, das diese Simone damit hat, daß ihre Freundin bei ihr wohnt.

Diese glücklichen Kinder wissen ja kaum mehr, daß es damals den berühmt-berüchtigten Paragraphen 175 gab, der Homosexualität nicht nur als unmoralisch verdammte sondern auch unter Strafe stellte.

An zwei Frauen hat sich allerdings selten einmal jemand gestört, hauptsächlich die Männer wurden verfolgt. Böse Zungen behaupten das läge daran, daß die Gesetze nun einmal von Männern gemacht werden - zumindest damals war es so, daß Frauen absolut nichts zu sagen hatten, obwohl sie gerade eigenhändig die Trümmer beseitigt hatten die das intellektuell ach so überlegene Mannsvolk beim Spielen einfach so liegengelassen hatte, und obwohl sie während der Kriegsjahre auch ohne einen Mann an ihrer Seite ihre Frau stehen und die Kinder versorgt kriegen mußten. Trotz dieser überragenden Leistungen ließen sie sich nach Kriegsende wieder brav an den Herd zurückdrängen, ordneten sich unter, und ließen sich im Verlauf von Zeitschriften weismachen wie minderwertig sie doch wären, solange sie nicht Creme X und Lotion Y benutzten, von Modezwängen denen sie sich zu unterwerfen hatten wollten sie nicht zum allseitigen Gespött werden, ganz zu schweigen.

Aber ich schweife ab. Was ich sagen wollte: Daß homosexuelle Handlungen zwischen Frauen meist nicht verfolgt wurden liegt, wie oben erwähnte böse Zungen behaupten, eben daran, daß Männer, die die Gesetze schließlich gemacht haben und auch deren Befolgung kontrollieren, doch recht gerne zwei Frauen bei eindeutigen Handlungen sehen oder zumindest keine Probleme haben, diese sich zumindest dabei vorzustellen - dagegen wenn Männer sich vergegenwärtigen müssen wie zwei andere Männer miteinander zärtlich zugange sind, dann wird die eigene tief verschüttete und unter Verschluß gehaltene bisexuelle Neigung angesprochen und uiuiui!!!, da kann einer ganz schnell sehr, sehr böse werden, wenn er jemanden etwas tun sieht, was er selber nicht darf aber ebenfalls gerne tun würde. Daß die meisten Männer sich dieser Neigung nicht einmal bewußt sind und jegliche Andeutung einer Tendenz in diese Richtung mit einem gewaltigen Kinnhaken beantwortet werden würde, macht die Sache nicht besser.

Selbst wenn also eine Beziehung zwischen zwei Frauen selten zu Strafverfolgung führte, war sie doch immer ein prima Grund, eine Frau zu diskreditieren und aus Job und Wohnung zu jagen falls sie es wagen sollte, irgendwie unangenehm aufzufallen oder gar unbequem zu werden. Immer schön klein und brav bleiben, dann kann nix passieren hoho.

Das ist also die eine Sache, die in diesem Roman im Vordergrund steht, die komplizierte Beziehung von Journalistin Simone und ihrer Freundin Lis, Bildredakteurin, welche mit ihrer Eifersucht immer wieder Probleme schafft, die echt nicht hätten sein müssen, aber so ist das in Beziehungen nun einmal, mehr Streß als sonstwas.

Die zweite Sache ist dieser Schulberg, ein Mann der wegen seiner Aktionen auf der Straße immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gerät bis er wirklich mal im Häfn landet, und Simone soll ihn nach seiner Entlassung interviewen und einen schönen Artikel über ihn schreiben.

Nun habe ich diese Aktionen irgendwie auch nicht so richtig verstanden, ich hab ja kein Auto - es ging ihm irgendwie (nachdem seine Frau, die noch dazu grad schwanger war, nach einem Autounfall gestorben ist) darum, daß die Leute alle dafür sein sollen, keine Autosteuer mehr zu zahlen. Wie gesagt, ich hab das nicht richtig verstanden, die Regierenden in dem Buch fanden es sowieso auch blöd was er da immer daherredet und deswegen wollten sie, daß er die Klappe hält und nicht immer mitten auf der Kreuzung das Diskutieren anfängt und einen Riesenstau verursacht. Aber sag mal einem Mann er soll was bleiben lassen, dann macht er es erst recht.

Auf der Suche nach Erleuchtung hab ich also den Roman gegoogelt und mich gleich wieder fürchterlich aufregen müssen. Bin auf einer Fanhomepage des Autors gelandet, und das ist ja zunächst einmal eine löbliche Sache, so eine Fanhomepage. Auch ich lese die Romane von Herrn Heinrich sehr gerne, daher finde ich es prima, daß sich jemand die Arbeit macht, den Autor vor der Vergessenheit zu bewahren.
Aber die Zusammenfassung des Romans 'Maiglöckchen oder ähnlich', dessentwegen ich ja dort gelandet war, ließ mir die Haare zu Berge stehen.

Vorndran auf der Seite steht, man darf ohne Erlaubnis nichts davon veröffentlichen, also hab ich als Nicht-Jurist jetzt keine Ahnung, inwieweit ich überhaupt zitieren darf ohne mir den kostenpflichtigen Zorn der beiden Betreiber aufs unfrisierte Haupt zu laden, aber wer was ins Netz stellt der muß es sich gefallen lassen, wenn es kommentiert wird, also kommentiere ich hiermit:

Ich lese hier 'Seinetwegen gefährdet sie ihre Freundschaft mit Lis, die ihr alles bedeutet und durch sie das erfahren durfte, was ihr zuvor kein Mensch geben konnte.' 
Was so schon einmal einfach nicht stimmt. Abgesehen davon, daß es heißen müßte: ... durch DIE sie ... erfahren durfte ...'.

Diese Freundschaft war, wie eingangs bereits ausgeführt, von vorneherein gefährdet und WENN jemand dem Ärger Tür und Tor geöffnet hat dann war es Lis, die heimlich nachts Nacktfotos von sich und Simone gemacht hat und diese nicht nur ständig in der Handtasche umhertrug so daß ihr Ex sie beim unautorisierten Umeinandergruschteln finden konnte und somit zum bitteren Mitwisser des verbotenen Tuns, zur wandelnden Zeitbombe wurde, nein, die dumme Gans hat auch noch einen Abzug an Schulberg geschickt, welcher sich mittlerweile allerdings von der Brücke herab vor einen Zug geworfen hatte, so daß die Kieberer den noch ungeöffneten Brief im Gasthaus, in dem er logiert hatte, abfangen, öffnen und genüßlich konfiszieren konnten.
So war das. Also wer gefährdet jetzt wen oder was?

Natürlich verstehe ich, daß Lis nicht begeistert davon war, daß ihre angebetete Simone diesem komischen Kerl ständig helfen will und ihn sogar in die Wohnung läßt, ihm Geld gibt und ihm später, als sie ihn unbeabsichtigt wieder treffen, gleich wieder ihre Hilfe aufnötigt obwohl diesem das eher peinlich ist und er nur deswegen im Städtchen bleibt, weil sie ihn gnadenlos zugetextet hat und ihm die Hilfe ihres Chefs und somit Unterstützung bei seiner hirnrissigen Aktion verspricht, was ihn letztendlich dazu bewegt, wieder einmal ihren Wohnungsschlüssel anzunehmen. Klar kriegt frau da erst einmal irgendwie einen Grant. Aber kann man da nicht ein klärendes Gespräch suchen anstatt durch solch kindische Trotzreaktionen alles erst recht kaputtzumachen???

Nun zu dem Satz in der Rezension, der mich am meisten aufregt:
Aber die Frau Simone muss vor dem Mann Schulberg versagen. Sie kann sich nicht zu etwas zwingen, was ihr nichts bedeutet. 
Ja du heiliges Quadrat. Simone muß versagen, hm??? SIMONE HAT NICHT VERSAGT!!! Ich bemühe mich hier redlich, die Autoren dieses Schwachfugs nicht zu beschimpfen, aber es kostet mich SEHR viel Mühe. WIE KOMMT IHR DA DRAUF???

Da fuhrwerkt der Typ mehr als ungeschickt an ihr rum, kriegt nicht mal ordentlich einen hoch, und sie, die ihm von Anfang an gesagt hat, daß sie frigide ist (was man den Frauen ja damals gerne eingeredet hat wenn sie nicht gleich vor Entzücken vergangen sind sobald der Herr und Gebieter die Hosen runtergelassen hat) und daß er den Scheiß genausogut gleich lassen kann, tut halt mit weil was will frau machen und ihr liegt nun einmal etwas an ihm und schließlich will sie es dann auch noch einmal wissen ob es bei ihr immer so ist wenn sie mit einem Mann was hat - was unglaublich tapfer von ihr ist, großherzig und überhaupt mehr Mut erfordert als die meisten Leute überhaupt aufbringen können -  und dann hätte sie nach Meinung dieser zwei Komiker versagt??????????
Ja Leute, da vergeht einem das Lachen.

Ich frag mich ja, ob die das Buch überhaupt gelesen haben, weiter oben heißt es doch glatt:
Wird sie Schulberg, dem Mann, der alles von ihr verlangt, helfen können?
Der Herr Schulberg hat überhaupt nix verlangt. Und auch nix begriffen. Der steht da, hat nichts und niemanden (was irgendwo auch wieder unglaubwürdig ist, wenn ich das an dieser Stelle mal so einwerfen darf, denn wer im Knast war hat dort im allgemeinen gearbeitet und zwei Drittel des winzigen aber doch vorhandenen Lohns kommen auf Rücklage, eben DAMIT man ein bissl was in der Hand hat wenn man rauskommt) und sie drängt ihm ihre Hilfe wiederholt auf, auch nachdem er als erste Amtshandlung gleich wieder einen Volksauflauf verursacht und sie ihn grad noch wegziehen kann weil schon wieder ein Kieberer anmarschiert kommt.

Da hätt sie schon sehen können, daß sie mit dem nix als Ärger hat, aber nein, sie hilft ihm weiter wie oben bereits beschrieben, trifft sich nochmal und wieder mit ihm, und gibt ihm sogar das Geld, das sie sich für einen Fernseher angespart hatte. Dreihundert Mark war damals eine Menge Geld.

Sie gefährdet damit meiner Meinung nach aber nicht ihre Beziehung zu Lis weil das eine mit dem anderen nix zu tun hat, weil Liebe das einzige Gut ist das nicht weniger wird wenn man es teilt, und wenn die Leute das endlich mal begreifen würden, dann hätten wir erheblich weniger Ärger und mindestens die Hälfte aller Scheidungsanwälte könnte gleich einmal zusperren.

Somit hab ich zwar immer noch nicht verstanden, was der olle Schulberg eigentlich auf der Straße immer so getrieben hat, womit er sich den heiligen Zorn der Stadtväter zugezogen hat, aber meine Theorie, daß die meisten Leute heutzutage mit Büchern, die älter sind als zehn Jahre und in denen noch richtige Satzkonstruktionen verwendet werden, nichts mehr anfangen können, wurde deutlich bestätigt.

Was allerdings offensichtlich niemanden davon abhält, dennoch Zusammenfassungen dieser Romane zu posten.

Wenn das jetzt der nächstbeste Depp liest, der den Roman als Hausübung rezensieren soll, und er sich dann wundert warum ihm der Lehrer eine dicke rote FÜNF hinmalt, dann ist das eine Sache. Selber lesen Alter, dann Meinung schreiben. Aber das Problem ist ja viel tiefgreifender.

Wer liest denn die Bücher noch als Bücher.
Die meisten Menschen lesen ja nur mehr am Kindle weil das so schön Platz spart. Daß bei der Übertragung jede Menge Fehler generiert werden ist vielen egal, da sind die abgehärtet, das stört nicht. Ich winde mich vor Schmerzen und die lachen nur, es ist ein Wahnsinn, wie soll das nur weitergehen.
Nein Leute, das Schlimme ist ja, daß am Ende die Bücher selber garnicht mehr gelesen werden, egal ob aus Opas verstaubtem Bücherschrank oder in der hienigen Digitalversion, es werden ja wirklich nur mehr die Zusammenfassungen gelesen. Und so geht's dahin mit der Kultur, so gerät alles immer mehr in Vergessenheit, worauf wir einst so stolz sein konnten. Land der Dichter und Denker, my foot.

Erst haben die Nazis unsere brillantesten Köpfe aus dem Land gejagt weil ihnen deren Nase nicht gepaßt hat, dann haben sie geschaut wem sie noch alles die Bücher verbrennen können, was eine Riesensauerei war und man hat sich auch schön aufgeregt hinterher als man wieder durfte - aber nun schauen wir selber tatenlos zu, wie unsere Literatur Stück für Stück im Reißwolf landet 'weil man hat's ja am Kindle', wie die gute Musik nicht mehr gehört wird weil die Bands, die noch welche spielen notgedrungen lediglich vor kleinem Publikum in winzigen Lokalitäten auftreten können, und wie die Platten, auf denen die guten alten Sachen drauf sind, bestenfalls irgendwo im Keller verstauben, weil die Leute, die noch ein Ohr dafür haben, einer nach dem anderen ins Irrenhaus oder ins Altenheim abgeschoben werden.

Nein Opa, du kannst nicht noch einen Trip haben, du hattest grad schon genug davon, ab ins Auto, ab heute kümmern sich andere um dich, und deine Schallplatten kannst du nicht mitnehmen, das Zimmer ist zu klein. Nix da, kannst froh sein wenn du ein Radio kriegst und jetzt halts Maul du alter Depp!

In diesem Sinne halte ich alter Depp jetzt auch mal die Klappe, und verbleibe bis zum nächsten Mal wenn er sich aufregt,
euer großer, böser Ev.







Samstag, 22. August 2015

Kinderlos und dennoch ein Mensch?

Momentan bin ich leider krankheitsbedingt dazu verdonnert, mir das herrliche Herbstwetter von innen anzusehen, daher habe ich die Gelegenheit genutzt und gestern mal wieder einen Stapel Bücher aussortiert. Unter anderem auch den 'Kleinen Erziehungsberater' von Axel Hacke.

Obwohl der teilweise wirklich witzig geschrieben ist, hat mich der Herr Hacke dann auf Seite 94 dermaßen verärgert, daß ich das Buch umgehend auf den 'Raus damit!' Stapel knallte.

Was hat der Gute getan?

Genau das, womit sich Eltern schon immer bei anderen (teilweise sogar bei anderen Eltern) beliebt gemacht haben: Sie halten sich für etwas Besseres, etwas Besonderes, für die Elite der Menschheit. Und das aus keinem anderen Grund als daß sie Kinder haben. Da schauen sie dann auf uns Alleinstehende herunter und meinen, uns bedauern zu müssen. Natürlich in seinem Fall alles unter dem Deckmantel des harmlosen, augenzwinkernden Humors, man ist ja gebildet, nicht wahr.

Dankschön auch, Herr Hacke. Wenn ich kurz zitieren darf:

'Soweit ich weiß, gibt es auch Menschen, die keine Kinder haben wollen. [...] ... und sie wohnen in Altbauwohnungen mit ganz viel Ambiente, weil sie eine Menge Geld haben, denn von ihrem Gehalt müssen ja nur sie allein leben, und wenn sie Lust haben tragen sie zwei Armani-Sakkos übereinander und essen pochierte Ameiseneier, und wird es dunkel, stellen sie die Musik ganz laut, um ihre eigenen Seufzer nicht zu hören.'
Zitat Ende.

Brav entschuldigt sich der Autor (vorsichtshalber) anschließend für diese seine Sicht der kinderlosen Existenz, um sich sodann weiter in sentimentalen Schwelgereien über seinen ach so rührenden Nachwuchs zu ergehen.
Und so lustig sind sie, die kleinen Nervensägen.

Da hängen die Trauben aber verdammt hoch, was? Zu spät um sich umzuentscheiden nachdem sie nun einmal da sind (die Kinder, nicht die Trauben), also muß man sich das eigene Schicksal schönreden und wie kann man dies besser bewerkstelligen, als daß man die Alternative, nämlich ein kinderloses Dasein, ins Lächerliche zieht.

Was für eine Ansammlung von Klischees.

Selbstverständlich sind Kinderlose alle total reich.

Sag Er, wie kommt Er darauf?

Lese ich hier seinen schlecht verhohlenen Verdacht heraus, daß es sich bei Kinderlosen allesamt um extrem gut verdienende (ein einfacher Angestellter oder Arbeiter verdient nun einmal auch ohne Kinder nicht genug, um sich in Armani zu kleiden) und somit auch sehr gescheite Menschen handeln muß?
Gescheiter als er, der arme Wicht, der sich nicht einmal am Sonntag ausschlafen, geschweige denn sich zum Frühstück das Vergnügen eines frischen Semmerls gönnen darf?

Selbstverständlich verfügen daher all diese reichen und gescheiten Menschen, so beschließt er trotzig, keineswegs über ausreichend Phantasie um mit all ihrem Geld und ihrer vielen Zeit auch etwas Sinnstiftendes anfangen zu können.
Weil sie ja keine Kinder haben die sie pausenlos von dem abhalten, was sie eigentlich gerne tun würden.
Klingt logisch.

Mit der Musik, da hat Er allerdings zumindest teilweise recht. Die drehen wir manchmal dann doch etwas lauter. Aber nicht, wie Er vermutet, um unsere eigenen Seufzer zu übertönen sondern damit wir uns das nervtötende Kindergekreische aus der Nachbarwohnung nicht länger anzuhören brauchen. Da gibt es wesentlich angenehmere Tonspuren um sich den wohlverdienten Feierabend damit zu untermalen.






Donnerstag, 18. Juni 2015

XXL-Blödsinn zur Wochenmitte

Gestern lauf ich so durch die Straßen, da seh ich einen Möbelwagen von XXL-Lutz vor einem Haus parken auf dem geschrieben steht: 

Montage-Team. 

Und das an einem Mittwoch???


Da frag ich mich doch:


- Ist das typisch deutscher Fleiß, die totale Pflichtübererfüllung?


- Ist das typisch österreichisch: Selten pünktlich und dann ewig ned fertig wern ...?


- Oder hatten die einfach einen Lenker im LKW sitzen der mal ein paar Semester Jura studiert hat und somit auf Verfahren spezialisiert ist?



Sonntag, 7. Juni 2015

Wolle mer se reulasse ...

Neulich hab ich rein zufällig ein eingezäuntes, aber durchaus begehbares, Grundstück entdeckt, und mir vorgenommen: Da gehst bald wieder hin, aber dann MIT Kamera.

Im Internet las ich dann, daß es sich um das ehemalige Virginia-Depot handelt und daß man dabei sei, dies in ein Biotop zu verwandeln.



Aha, dachte ich, schnappte mir gestern meine Kamera und los ging's. Ein Mann kam mir auf dem Fahrrad entgegen - ich dachte schon: oh weh, das ist bestimmt jemand von der Aufsicht, der will mich jetzt rauswerfen - aber nein, es war ein ganz normaler Passant der von mir wissen wollte, ob ich mich hier auskenne. Was ich leider verneinen mußte, schließlich war ich selbst erst das zweite Mal vor Ort. Als ich ihm erzählte, daß ich hier ein paar Fotos machen wollte da man hier ja eigentlich nicht mehr hereinkommen sollte, war er ganz erstaunt. Warum das denn, wollte er wissen, und es sei doch so schön hier und schließlich könne man doch hier nix kaputtmachen, oder?

Es liefen auch nach wie vor andere Leute durch - sogar mit Hunden - daher meinte ich: Ja jetzt schaun Sie sich die Hunde an, nicht angeleint, wenn die dann hinter den Hasen und anderen Tieren herjagen und noch dazu ihre Trümmerl überall fallenlassen, dann wird das nix mit Biotop.

Da mußte er mir zustimmen.








Aber irgendwie hat er doch auch recht: Es ist so schön hier, also warum sollten die Menschen nicht weiterhin hier reindürfen? Man könnte ja bestimmte Wege freigeben, so wie in der Heide drüben. Ab und zu könnte vielleicht einer durchgehen und schauen, was die Leut so treiben?

Naja, ich dachte ... und ein paar Schritte weiter wußte ich dann, daß das nie funktionieren würde. Es gibt einfach zuviele gedankenlose Idioten, die überall ihre Spuren hinterlassen müssen.
Scherben, Scherben, und nochmals Scherben.





Da freut sich der Hase wenn er reintritt.
Das arme Tier kriegt den Scherben dann nie mehr raus, holt sich eine Infektion und stirbt elendiglich in seinem Eck einen frühen Tod, nur weil ein paar Arschlöcher ihre Bierflaschen nicht nur ausgetrunken sondern auch noch gleich kaputtgemacht haben.

Dasselbe heute morgen am See.
Die meisten Leute haben ihren Mist schön zusammengeräumt und zu den Mistkübeln gebracht.


Aber einige haben ihn einfach hier und dort hingeworfen,

 grad bei den Tischtennisplatten schaut's meist aus wie Sau, auch hier wieder jede Menge kaputte Flaschen und Scherben.


Da möchte man doch lieber nicht wissen, wer da alles reintritt, der sich nicht wehren kann, der nicht einfach zum Arzt gehen kann wenn er sich einen Scherben reingetreten hat, der nicht einmal Finger hat, mit denen er den Scherben selber wieder rausziehen könnte.

Somit hab ich mal wieder gesehen was die Menschen anrichten, wenn man ihnen ein Stück Natur zur Verfügung stellt.






Sonntag, 8. März 2015

Body Talk

Die Grippewelle schwappt über unsere Stadt, wen es noch nicht erwischt hat kann sich drauf freuen, dieses Mal kommt irgendwie jeder mal dran, auch ich blieb nicht verschont. Satte 10 Tage hab ich mich gefühlt wie die Uhr vom Dalí ausschaut - total schlapp.

Nun geht es langsam aufwärts, aber meine Alveolen sind nach wie vor die ganze Zeit am Rumnölen. Also bin ich mal in mich gegangen und hab sie gefragt, was der Scheiß soll.
Draußen scheint die Sonne, es wird Frühling, da kann man jetzt doch mal aufhören sich ständig zu beschweren und mich mit!

'Ha', haben sie gesagt, 'kann schon sein, daß es jetzt mal so langsam Frühling wird, aber da haben wir nix davon, wir haben MONATELANG diese sautrockene Heizungsluft atmen müssen, im Büro sowieso aber auch daheim, das hält doch die stärkste Lunge nicht aus!'
'Naja', erwiderte ich, 'soll ich die Heizung vielleicht abdrehen wenn's kalt ist? DA möcht ich euch dann mal hören!!!'
'Früher', haben sie gesagt, 'früher hat man nicht die ganze Bude beheizt, da hat man in EINEM Raum ein Feuer gehabt, meist in der Küche, später dann im Wohnzimmer, und das war gut, das war warm, und das hat gelangt. Aber ihr mit eurer Scheiß-Zentralheizung!'

Ein Feuer im Wohnzimmer?
Ich hab lange überlegt - und es ist wirklich gut, daß es jetzt Frühling wird.
Weil, also irgendwie ... I waß ned ...