Sonntag in der Früh hab ich ein bissl Ö1 gehört weil da meist schöne Musik gespielt wird, aber es wird halt auch viel geredet, sehr gerne gibt man sich nachdenklich.
Was an sich ja kein Fehler ist. Aber was mich dabei so anzipft ist wenn die Oberg'scheiten einen auf furchtbar betroffen machen, sich mit allen anderen Menschen gemein machen und proklamieren: WIR verschwenden soviel, WIR müssen uns überlegen, auf was wir alles verzichten können ... JA BLA BLA BLA!
Was die Tante total NICHT am Schirm hatte ist, daß es für SIE und ihre gut verdienenden Kollegen durchaus in Ordnung sein kann, jetzt in der Fastenzeit mal nicht mit dem Auto zu fahren, mal nicht jeden Tag Hunderte von Euro für depperte Klamotten auszugeben etc. pp. aber daß sie das nicht von ALLEN als allgemeine Pflicht zu verlangen hat.
Die meisten Leut sind nun einmal keine Intellektuellen, das sind ganz normale Menschen, die von klein auf in diese Mühle gezwängt werden, die machen oft mehr schlecht als recht die Schule fertig, dann heiraten sie, kriegen Kinder, bauen ein Haus, haben Schulden - und das sind noch die, denen es 'eh gut' geht. Die haben schon einmal überhaupt keine ZEIT sich Gedanken zu machen über Verzicht, wenn sie kaum die Raten für die Hypothek zammkriegen.
Andere wieder haben entweder einen beschissenen oder garkeinen Job, das sind die, die permanent das Gefühl haben, den Kürzeren zu ziehen, die Trotteln zu sein, das Leben an sich und dessen Freuden im Besonderen vorenthalten zu bekommen.
Und denen wollen die Oberg'scheiten dann mit Verzicht daherkommen?
Na seavas.
Man kann das Volk nicht permanent gängeln, ihnen stündlich unter dem Deckmantel der Informationspflicht Angst einjagen um sie nur ja bei der Stange zu halten, damit sie sich mit den paar Talern zufriedengeben die sie für die tägliche Maloche bekommen, sie als Dank für ihren unermüdlichen Einsatz mit billigem Pseudofraß abspeisen bis sie und ihre Kinder dick, krank und mit den Nerven am Ende sind und außer Fernsehen und Pizza keine Freude mehr am Leben haben weil ihnen die nie jemand beigebracht hat - und ihnen dann mit VERZICHT kommen.
Da ist dann doch echt alles zu spät.
Wie sagte Ford Prefect so schön: Drink up, the world is going to end ...
Wenn die Menschen IRGENDWANN einmal lernen können und dürfen, wie sie sich gegenseitig Freude bereiten können, so daß sie sich Stück für Stück wieder richtige Gefühle erlauben, dann müssen sie nicht mehr konsumieren wie die Blöden und auf der Erde umeinandertrampeln bis alles kaputt ist, und dann kommt das mit dem Verzicht ganz von alleine.
Aber huhu, Hochverrat. Da würde die Heilige Wirtschaft nie mitspielen.
Also, liebe Oberg'scheite, wenn ihr was verändern wollt dann hört auf, anderen etwas vorzupredigen was ihr selber noch nicht einmal fertigbringt. Die Lösung ist nicht, von den Leuten zu verlangen, auf dieses und jenes zu verzichten, die Lösung ist vielmehr, dafür zu sorgen, daß die Leute wieder lernen dürfen, auf sich und ihre Seele zu hören, ihre wahren Bedürfnisse zu erkennen. Und diese befriedigt zu bekommen. Nur wer zufrieden ist, ist bereit, sich hier und da auch einmal einschränken zu wollen und mit anderen zu teilen.
Geht euch das auch so? Ihr werdet von jemandem total ungerechtfertigt dumm angeredet, aber anstatt demjenigen gleich einmal Kontra zu geben, sagt ihr entweder garnichts, oder ihr fangt gar noch an, euch zu rechtfertigen?
Passiert mir in letzter Zeit ständig.
Ob das die Putzfrau ist, die mir auf meine Bitte, beispielsweise auch dieses Regal einmal zu entstauben, antwortet, daß das ja ewig dauern würde (ein Regal???) und ich sollte mir doch mal überlegen, was von den Sachen die da alle stehen, ich überhaupt noch brauche.
Famous last words.
Ab nun putze ich wieder selber.
Aber in dem Moment stand ich gemaßregelt vor ihr und meinte nur schwach, daß ich es aber vorsprochen hätte, daß keiner mehr weggegeben wird.
Sie so: Wem versprochen?
Ich: Den Stofftieren!
Den Blick, den sie mir daraufhin zugeworfen hat, wage ich hier nicht zu beschreiben ...
Ob das die Frau mit den zwei Hunden ist, die vor der sich öffnenden Türe der S-Bahn steht und mich, als ich aussteigen will, ungehalten anherrscht: Jetzt lassens uns doch amal hinein, da!!!
Ob das die Zahnärztin ist, die erst sagt, es würde durchaus langen wenn ich einmal im Jahr komme, mich dann aber gestern, nachdem ich ein Jahr und einen Monat (!) nicht da war, streng fragt warum ich so lange nicht dagewesen sei und ich solle mich doch bitte von ihnen alle halbe Jahre anrufen lassen und man müsse nun unbedingt zwei umfangreiche Zahnfleischbehandlungen durchführen (Unterton: woran Sie selber schuld sind weil sie so lange nicht da waren ...).
Statt daß ich was sag, schleiche ich stumm von dannen ...
Ob das die Schalterbeamtin bei der Post ist - wo ich mir drei Sendungen abholen möchte, die zweite war dann etwas größer weil eine Jacke drin war, und während sie nach dem dritten Teil sucht maunzt sie schon rum: Is des aa so a Trumm? Eahna Postbotin liebt Sie, ha???
Als sie mir die Sachen bringt meint sie nochmal: Eahna Postbotin hod Sie sicha total gern, ha?
Ich nur so: Sie ist immer sehr freundlich wenn wir uns begegnen.
Beamtin nur herablassend geschaut.
Was sollte diese Meldung? Könnte ich nach wie vor AUCH OHNE HANDY bei der Packstation mitmachen, hätten wir es alle leichter.
Und warum soll ich mich schuldig fühlen, weil ich mir was mit der Post bestellt habe? Ich mein, dafür ist die Post doch da, daß sie einem das dann bringt bzw. man es abholt wenn es zu groß ist für den Briefkasten.
Von wegen die Post bringt allen was.
Allen außer mir oder wie?
Oder ob das, last but not least, der Mann ist, der hier im Hause als Beirat tätig ist, nennen wir ihn einmal Herr Möchtegern.
Vor einigen Monaten hatte ich an die Hausverwaltung geschrieben, weil eine Partei im Haus, leider konnte ich nicht ausmachen wer es war, sonst hätte ich die Leute selbstverständlich direkt kontaktiert, zu beliebigen Zeiten lautstarke Renovierungsarbeiten vornahm.
Nun hatte ich in meinem Schreiben lediglich vorgeschlagen, nachdem zuvor bereits immer wieder Aushänge am schwarzen Brett aufgetaucht waren, man möge in der Waschküche keinen solchen Saustall machen, man möge keine Tschick aufs Dach werfen, man möge dies nicht und das nicht tun, auch zu diesem Thema einen Aushang zu machen mit dem Inhalt, daß wir durchaus eine Hausordnung hätten, die gewisse Ruhezeiten vorsieht, beispielsweise abends und nachts, während derer man bitte Bohren, Hämmern etc. sein lassen möge.
Nun hat die Hausverwaltung mein Mail an den Herrn M. weitergeleitet, ob er da auch was gehört hätte und wisse wer das sei, damit man die Betreffenden direkt anschreiben könne.
Herr M. nun, anstatt daß er einfach antwortet ja oder nein, was macht der?
Druckt das Mail von mir aus, marschiert damit durch das ganze Haus, hält es den Leuten vor die Nase und sagt: Es hat sich jemand beschwert, haben Sie vielleicht auch was gehört?
Damit aber nicht genug.
Einige Tage später fängt er mich nach der Arbeit ab, und ich mußte mich eine geschlagene halbe Stunde, in seinem Hausflur stehend (nicht einmal einen Platz hat er mir angeboten), von ihm maßregeln lassen. Dabei hat er nicht einmal direkt gesagt, daß er es nicht in Ordnung findet, daß ich mich beschwert hatte, nein er hat die ganze Zeit dumm herumgeeiert - ich war müde und genervt und habe mehrmals gefragt: Was wollen Sie mir eigentlich sagen? Aber da kam dann nur wieder der nächste Schas.
Daß die Betreffenden doch garnicht wußten, daß sie so laut sind (naaa, eh ned, wenn ich spätabends durch Beton bohre komm ich auch nicht auf die Idee, daß das außer mir wer hört).
Ich so: Ja eben, da muß man es ihnen doch sagen!
Er so: Wir wollen doch alle ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis haben, oder? Wir wollen doch nach wie vor gegenseitig die Packerln annehmen, oder?
Und dabei hat er erst neulich, als ich mich mit einer Flasche Wein bedankt hatte, daß er so oft meine Packerln annimmt gesagt, er mache das doch gerne und ich müsse ihm nichts dafür geben!
Und nun auf einmal kommt er mir so!
Und ich Idiot meinte noch, mich rechtfertigen zu müssen, und erklärte, daß ich Schlafstörungen hätte und außerdem müsse ich früh raus, da bräuchte ich halt meinen Schlaf, ich hätte einen stressigen Job, da könne ich das nicht brauchen, daß jemand bis spätnachts und teilweise auch mitten in der Nacht, rumlärmt.
Er so: Im öffentlichen Dienst, ein stressiger Job? Das könne er nicht so recht glauben, da gehe es doch eher ruhig zu.
Ja, meinte ich, ich arbeite aber im Krankenhaus, da wäre eben mal ein rechter Betrieb, öffentlicher Dienst hin oder her.
Na, kam der nächste Klops von ihm, dann müsse ich eben die Arbeitszeit reduzieren wenn ich so einen Streß hätte, es würde doch langen wenn ich halbtags arbeiten ginge, ich würde ja keine Miete zahlen als Eigentümerin, da bräuchte ich doch nicht soviel Geld.
Hammer, oder?
Und was mach ich? Anstatt daß ich ihm in scharfem Ton erwidere, daß von 'soviel' erstens einmal nicht die Rede sein könne bei meinem Gehalt, daß er zweitens nicht zu bestimmen hätte, wieviel Geld ich zu brauchen habe, und es drittens auch um die Rente ginge, die ich dann später einmal eh nicht bekomme, und es da einen verdammten Unterschied macht ob jemand ganztags oder halbtags gearbeitet hat - was mach ich stattdessen? Sag nur kleinmütig, daß ich die Arbeitszeit doch eh schon reduzieren wollte, man mich aber nicht ließe.
So ging das weiter mit seinen Frechheiten, beispielsweise mußte ich mir anhören, daß man sich auch über mich beschwert hätte, ich sei immer so laut wenn ich morgens zur Arbeit ginge.
Ja klar, da nehm ich nämlich auch immer die Bohrmaschine mit und mach ein gar lustig Muster in die langweiligen Wände im Flur, oder was???
Bis seine Frau dann einschritt und meinte es sei nun gut, ich sei müde nach der Arbeit, und ich endlich zu mir raufgehen durfte. DA hab ich dann gekocht. Und ich red nicht vom Abendessen, für das es dann eh schon zu spät war.
DA hab ich mich dann aufgeregt.
Aber vorher dastehen wie eine Pensionatsschülerin die von der Direktorin beim Rauchen erwischt worden ist.
Warum ist das so?
Warum kann ich mich nie behaupten wenn jemand mich von oben herab saudumm anredet?
Hinterher, da weiß ich dann die schlagfertigsten Antworten, da hab ich schlaue Sprüche parat vom Feinsten.
Aber in dem Moment, da schau ich nur blöd aus der Wäsche und bestenfalls kommt ein schwaches: Ja aber ...
Was bin ich nur für ein Feigling ...